Einmal Haare waschen Bitte!
Es war mal wieder an einem dieser harmonischen Sonntage vor einigen Jahren. Der Vater, der die ganze Woche über arbeitet, um seine Familie zu ernähren stellt sich Sonntags in die Küche, um die Familie mit einem köstlichen Mal zu verwöhnen. Wochenende heißt Familienzeit und wer meine bisherigen Artikel aufmerksam gelesen hat, der weiß, was das in meinem Fall zu bedeuten hatte.
Von einem intakten Familienleben waren wir glaube ich schon immer Lichtjahre entfernt und so sollte die Folgende Geschichte eigentlich auch nicht weiter verwunderlich sein!
Wie bereits erwähnt, war es mal wieder Sonntag. Es muss irgendwann zu Spargelzeit gewesen sein, da es einen Spargelauflauf mit Schinken, Kartoffeln und Sauce Hollandaise gab. Mein Vater legte schon immer Wert darauf, nur frische Spargel zu verarbeiten und ich muss sagen, seine Kreationen waren durchaus lecker. Aber dieser Spargelauflauf, der an diesem Sonntag im Ofen vor sich hin köchelte, sollte mehr können als nur schmecken!
Pünktlich um 12 oder 1 (es gab nie wirklich feste Essenszeiten) rief das Familienoberhaupt also die gesamte Familie in die Küche zum sonntäglichen Familienschmaus. Ich erspare es mir und euch, an dieser Stelle wieder ausführlich über die Geschehnisse im Vorfeld zu schreiben. Es sei aber gesagt, dass die Stimmung angespannt um nicht zu sagen mies war. Aber wen wundert’s? Mich nicht! So saßen wir also alle vor unseren Tellern. Jeder mit sich beschäftigt, ohne ein Wort zu sagen. Auch ich passte mich den äußeren Umständen an und versuchte jeglichen Blickkontakt zu vermeiden. Es war ein wirklich beklemmendes und unangenehmes Gefühl! Nicht mal das Essen schmeckte. In mir machte sich eine Mischung aus tiefer Traurigkeit und absoluter Resignation breit. Ich wollte einfach nur den Tisch verlassen und in meinem Zimmer verschwinden. Da gab es nur ein klitze kleines Problem! Ich hatte meinen Teller noch nicht leer gegessen. Aber mir war der Appetit dermaßen vergangen, das ich die halbe Portion Spargel einfach nicht mehr essen konnte. Meinem Vater passte der noch halbvolle Teller schon nicht, bevor ich überhaupt daran gedacht hätte zu sagen, dass ich nichts mehr essen will.
„Was ist mit deinem Teller?“
„Waren die Augen wieder größer als der Bauch?“
„Nein! Aber ich habe einfach keinen Hunger mehr!“ erwiderte ich.
„Und außerdem will ich in mein Zimmer!“
„Du frisst das! Sonst schmier ich es die in die Haare!“ Schrie mich mein Vater an.
Ich hielt das zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur für eine seiner blöden Drohungen und erdreistete mich zu sagen „Nein, ich esse das nicht mehr!“
Noch bevor ich diesen Satz zu Ende sprechen konnte, hatte ich auch schon den Inhalt meines Tellers auf dem Kopf! Aber das war wohl noch nicht genug. Auch der restliche Inhalt der Auflaufform musste daran glauben und wurde mir äußerst unsanft auf dem Kopf und im Gesicht verteilt.
„Du spinnst doch total!“ schrie ich meinen Vater an.
„Ich zeig dir gleich, wer hier spinnt! Los komm! Ich mach dich sauber!“
Mein Vater kam auf mich zu und packte mich mit aller Gewallt. Alles Strampeln und sich Wehren war völlig Sinnlos. Er hatte mich fest im griff und zog mich von der Küche durchs Wohnzimmer in den Flur! Ich bin mir sicher, wenn wir Nachbarn in unmittelbarer Nähe gehabt hätten, hätten sie die Polizei gerufen! Bei meinem erbärmlichen Schreien konnte man ja eigentlich nur das Schlimmste vermuten!
Das Schlimmste stand mir an diesem Sonntag auch noch bevor. Mein Vater hatte Wort gehalten. Er zog mich auf die Gästetoilette, riss den Deckel nach oben drückte meinen Kopf mit aller Kraft so tief in die Schüssel, bis es einfach nicht mehr weiter ging und drückte ab. Ich weiß nicht mehr wie oft er die Spülung betätigte, aber es erschien mir wie eine halbe Ewigkeit. Dabei schrie er immer wieder, dass ich mal wieder richtig gewaschen werden müsste! Ich habe einfach nur geweint. Wehren konnte ich mich nicht. Als er endlich von mir ab ließ, zog ich meinen Kopf aus der Toilette und rannte in mein Zimmer! Dort schloss ich mich ein bis zum nächsten Morgen und ich bin dankbar, dass meine Zimmertür gehalten hat! Wenigstens dieses Mal.

Wenn ich heute an dieses Ereignis zurückdenke, habe ich immer noch ein komisches Gefühl! Vor Allem auf Grund meiner momentanen Wohnsituation ist es nicht leicht all dem umzugehen. Aber irgendwie funktioniert es.

Zumindest bis jetzt…

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