Rückblickend frage ich mich, weshalb ich damals bei der Musterung eigentlich nicht gleich gesagt habe, dass ich den Dienst an der Waffe verweigern möchte. Das ist ja heut zu Tage glücklicherweise recht einfach! Ich glaube, ich habe mich damals durch falsche Tipps in diversen Foren dazu verleiten lassen, einfach mal die gesamte Prozedur mitzumachen. Angeblich sollte man dann eher T3 gemustert werden und somit sowohl den Wehrdienst, als auch den Zivildienst umgehen können.
Bei mir hat das damals leider nicht so geklappt, wie ich es mir erhofft und wie man mir prophezeit hatte. Man befand mich unverständlicherweise für überaus tauglich.
Nach der Musterung habe ich das natürlich alles erst mal schön verdrängt und gar nicht mehr daran gedacht, dass da ja noch was in der Warteschleife hängt.
Zwischenzeitlich ging es bei mir drunter und drüber. Es war die Zeit, in der ich gerade wieder umgezogen bin und durch das ganze hin und her hatte ich natürlich auch nicht daran gedacht, meine neue Adresse anzugeben. Das Kreiswehrersatzamt hatte sich bei der Musterung natürlich auch der Daten auf meinem Personalausweis bedient und da stand nun mal noch immer meine Adresse von zuhause. Dieser Umstand wurde mir dann schließlich auch zum Verhängnis! Es war an einem Freitagabend (da ich die Unterlagen leider nicht mehr finde, kann ich euch das genaue Datum gerade nicht mitteilen), als mich meine Mutter anrief um mir mitzuteilen, dass sie Post für mich hat. Es wäre wichtig…
Ich habe mich also auf den Weg gemacht, meine wichtige Post abzuholen. Ich hatte natürlich überhaupt keine Lust, meine Mutter zu sehen, aber wichtig ist eben wichtig. Als ich dann bei ihr war und den Großen A4 Umschlag öffnete oder besser gesagt den Inhalt heraus holte (denn geöffnet hatte meine Mutter ihn natürlich freundlicherweise schon), traute ich meinen Augen kaum. Es war Post vom Kreiswehrersatzamt. Mein Einzugsbescheid! Inklusive 2. Klasse Bahn-Tickets. Mann hatte mich einberufen! Ich sollte zum Fallschirmjäger-Battalion Nummer sowieso nach weiß der Geier wohin. Das war schon ein ziemlicher Schock! Aber das Schlimmste an der ganzen Sache war, das es bereits Montags losgehen sollte. Ja, genau, Montags! Meine Mutter hatte mir diesen Brief einfach wochenlang unterschlagen. Ich war total aufgewühlt und wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte. Ich habe mir meine Dokumente geschnappt, bin in meine Wohnung gefahren und habe alle möglichen Freunde angerufen und um Rat gefragt. Schließlich habe ich noch am selben Abend bis spät in die Nacht eine Verweigerung verfasst und diese noch in der selben Nacht persönlich beim Kreiswehrersatzamt eingeworfen. Ich habe wirklich alle Register gezogen, um meinem unmittelbar bevorstehenden Einzug noch zu entkommen. Ich bin froh, dass mich meine Freunde so gut unterstützt haben und ich so tatsächlich erst einmal eine Aufschub erwirken konnte. Allerdings wurde die Sache für mich zu einer unglaublichen Odyssee von Arzt zu Arzt und von Psychiater zu Psychiater! Ich habe wirklich 2 Jahre in regelmäßigen Abständen bei unterschiedlichsten Psychiatern zugebracht, bis man mich schon stationär behandeln wollte, um meine schweren Depressionen in den Griff zu bekommen. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst mit dem Psychiater angefangen habe, weil mir ein Freund diesen Weg empfohlen hatte. Er war einmal bei einem Psychiater und wurde auf Grund des erstellten Gutachtens ausgemustert. Bei mir lief das leider nicht so rund! Obwohl ich zuerst genau den selben Psychiater aufgesucht hatte.
Ich glaube, morgen werde ich euch mal ein paar Auszüge aus den unterschiedlichsten Fragebögen, die ich ausfüllen musste präsentieren.
Es wurde immer enger für mich und das Kreiswehrersatzamt drängte auf handfeste Fakten, weshalb ich untauglich bin. Ich glaube, ich hatte wirklich Glück, dass meine letzte extra kurzfristig angesetzte Zwangsuntersuchung beim Psychiater am Freitag nach dem Altweiber-Donnerstag war und ich am Abend zuvor ordentlich getrunken hatte. Ich sah morgens wirklich aus wie ein Häufchen Elend. Nach 2 Stunden Untersuchung kam es dann zum Abschließenden Gespräch, der Psychiater schaute mir in die Augen und sagte mit fester Stimme: „Wissen sie, wie sie auf mich wirken?“ In dieser Sekunde dachte ich nur: Oh Gott, er hat mich durchschaut und weiß genau, dass ich dem Ganzen Mist nur entgehen will. Aber er fing noch mal an: „Wissen sie, wie sie auf mich wirken? Wie jemand, dem ich unbedingt helfen muss! Sie werden ja alleine gar nicht mehr mit ihrem Leben fertig!“
In diesem Moment machte sich eine unglaubliche Erleichterung breit. Jetzt wusste ich, dass ich es geschafft hatte. Denn dieser Psychiater wurde vom Kreiswehrersatzamt selbst ausgesucht und wenn dieser mich für völlig fertig hielt, konnte das nur Gutes für mich bedeuten. So war es dann auch. Etwa 2 Wochen nach meiner Untersuchung hatte ich es schwarz auf weiß. Ich war untauglich und zwar so was von!
Und wieder einmal wurde am Ende Alles gut. Manchmal frage ich mich allerdings, weshalb bei mir immer alles so fürchterlich kompliziert und umständlich sein muss!

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